Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 152)
- Language
- German
- Belongs to
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151 amtmanns“ zu einer Tasse Kaffee eingeladen. Wenn sie auch von all’ den guten Sachen, die dort zum Kaffee präsentiert wurden, nichts geniessen konnten, so waren sie doch im höchsten Grade beglückt von der hohen Ehre, die ihnen zu Teil geworden war. Oberamtmanns hatten vornehmen Besuch aus der Residenz, dem zu Ehren sie die Einladung veranstaltet hatten. Der königliche Oberschatzrat Kurze war mit Frau und zwei Töchtern eingetroffen. Und Oberamtmanns scheuten sich nicht, ein jüdisches Ehepaar, als zu dem Kreise ihrer intimen Bekanntschaft gehörend, einzuladen! Das war allerdings eine grosse Ehre, die vor achtzig Jahren noch zu den grössten Seltenheiten gehörte. Simon, der älteste Sohn des Hauses, benutzte die Abwesenheit seiner Eltern zu einem Besuche bei Moses Ahronssohn, wo er der schönen Sulamith aus Schiller’s Gedichten vorlas. Die jüngeren Kinder des Davidsohn’schen Hauses blieben unterdes sich selbst überlassen. Sie tummelten sich in dem grossen Hofe herum und spielten allerlei Spiele; zu ihnen hatten sich noch viele Kinder aus der Nachbarschaft gesellt. „Wir wolleneinmal „Schinderhannes“ spielen!“ rief Salomon, ein schöner, schwarzlockiger Knabe von etwa vierzehn Jahren. „Ich will der Räuberhauptmann sein.“ Der Vorschlag wurde mit Jubel aufgenommen. Bald war die Einteilung getroffen. Zehn Kinder, Knaben und Mädchen, gesellten sich zu ihrem Hauptmann als Räuber; alle übrigen waren die Gensdarmen. Die Gensdarmen verfolgten die Räuber und umzingelten sie. Da beschloss Salomon, eine feurige Anrede an seine Genossen zu halten, dass sie sich tapfer ihrer Haut wehren und mit kühnem Mute