Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 146)
- Language
- German
- Belongs to
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145 liches und bot deshalb nur geringen Gesprächstoff. Die Post kam jede Woche zweimal in Kinsingen an und die Verbindung mit der fernen Aussenwelt war daher ziemlich unbedeutend. Destomehr kümmerten sich die Einwohner der kleinen S.tadt umeinander. Ein Jeder wusste ganz genau, was der Andere zu Mittag ass oder wie es sonst um seine häuslichen Angelegenheiten stand. Wenn ein Acker verkauft wurde oder gar ein Haus seinen Besitzer wechselte, so bot das Stoff zur Unterhaltung für mehrere Monate. Hat der Käufer billig oder teuer gekauft? Kann er die Anzahlungssumme aus eigenen Mitteln zahlen oder.muss er noch dazu borgen? Hat er sich nicht eine zu grosse Last aufgeladen? Wird er Veränderungen vornehmen? Alle diese Fragen wurden auf das Genaueste erörtert. Wurde* aber gar ein neues Haus gebaut, was allerdings selten genug vorkam, so war das ein ganzes Ereignis. Sämtliche Müssiggänger des Ortes und am Sabbat die ganze jüdische Gemeinde, standen am Bauplatze und schauten den Arbeiten zu. Das gesellige Leben war ein streng geschiedenes. Die Honoratioren, an deren Spitze der Herr Oberamtmann stand, verkehrten nur unter sich. Zu ihnen gehörten ausser dem Genannten der Amtsassessor, der Bürgermeister, der Syndikus, der Arzt, der Apotheker, der Gerichtsvogt, die zwei Advokaten, der Steuereinnehmer, der Oberförster und noch einige vornehme, reiche Bürger. Man kann sich denken, wie sehr sich Joseph Davidsohn geschmeichelt fühlte, als er in den Club der Honoratioren auf genommen wurde. Wenn es seine vielseitige Tätigkeit ihm nur irgendwie gestattete, so versäumte er nicht, sich in die „Stadt Hamburg“, den ersten Gasthof von Kinsingen,' in 10