Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
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141 ins Bewusstsein, treten lässt, und den wir deshalb nach* stehend unsern Lesern in deutscher Uebersetzung mit^ teilen wollen: „Höre, mein Sohn, auf die Zurechtweisung deines Vaters, und entziehe dich nicht der Belehrung deiner Mutter, gewöhne dich in deinem Reden an ruhige Selbstbeherrschung und sanfte Gelassenheit gegen jedermann und zu jeder Zeit; dies rettet dich vor der hässlichsten aller Leidenschaften, dem wilden Zorne, der alles Gute im Menschen ertötet. Sagen doch unsere grossen Weisen: „Wer zürnt, ist von allen guten Geistern des Lebens verlassen!“ Wie aber vermagst du diesem Laster, das sich so gerne in unsere tägliche Lebensbahn einzuschleichen sucht, zu entrinnen? Gib in deinem Herzen vor allem der Demut Raum, sie ist die Quelle aller Tugenden und vermählt sich bald mit ihrer edelsten Schwester, der Gottesfurcht. Ach, überlege dir doch, woher du kamst, und wohin du gehst; bist du doch schon Hauch und Wurm in deinem Leben, wie viel mehr in deinem Tode. Denke daran, vor wem du dich einst zu verantworten hast: Vor dem Weltenkönig, der alle Herrlichkeiten in sich schliesst, und von dem es heisst: „Alle Himmel vermögen dich nicht zu fassen, und die Welt ist zu klein, dich zu umspannen.“ Wenn solche Gedanken in dir aufsteigen, dann wird Ehrfurcht vor Gott dich leiten im Leben, du hütest dich ängstlich vor der Sünde, und mit der Abstreifung solch einengender Fesseln zieht stilles Glück in deine Seele und du wirst wahrhaft frei. Nachdenken wird dich darüber belehren, dass Selbstüberhebung, Stolz gegen die Mitmenschen geradezu eine Auflehnung gegen Gott selbst und sein Walten bedeutet. Hoheit und Grösse gebührt ja nur Gott allein. Bekenne doch offen: Womit kann der schwache, sterbliche Mensch sich brüsten? Vielleicht mit irdischen Gütern, mit Reichtum? Siehe, Gott ist es, der reich und arm macht! Hat der Sterbliche ein Recht