Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3135693-3135696--0384-3136107- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
140 was uns Begeisterung für diesen Mann und seine Lebens^* arbeit einflösst. Von den zeitgenössischen Werken jüdischer Forscher liebte er besonders die von Rambam, Eben Esra und Raschi. Rambam bezeichnete er als heiligen Mann und unvergleichlichen Meister, von Eben Esra sagt er: „Weise ich ihn auch offen zurecht, es verbindet mich doch eine geheime Liebe mit ihm“» Er liess es sich nämlich nicht nehmen, zuweilen seine Meinung auch gegen einen andern zu verfechten, aber nicht aus rechthaberischer Eitelkeit, sondern lediglich in dem Streben, der Sache Gottes damit zu dienen. In einer Verteidigung zu Gunsten Alfasis bekennt er mit Bescheidenheit: Glaube nicht, lieber Leser, meine Entgegnungen seien unumstösslich und müssten deine Anerkennung haben! In der Synagoge zu Barcelona hielt Ramban im Jahre 1263 eine Predigt. „Nicht die Philosophie und die wissenschaftlichen Richtungen der Zeit, sondern die Thora, die göttliche Lehre ist das Fundament aller Weisheit, alles Wissens, alles Denkens. Die Lehre des Ewigen ist vollkommen, labt die Seele, das Zeugnis des Ewigen ist zuverlässig, macht selbst den Toren klug.“ So fängt er seine D’roscho an und daran schliesst sich die Bitte (Psalm 119, 18): „Oeffne, o Herr, meine Augen, dass ich das Wunderbare erschaue, das in Deiner Lehre verborgen ist.“ Manchem unserer modernen Kanzelredner möchte man diesen Text empfehlen, noch mehr aber das Durchdrungensein von der Wahrheit dieser Worte wünschen, wie dies bei Ramban der Fall war. In seinen späteren Lebensjahren unternahm Ramban eine Reise ins heilige Land, weil ihn eine unbezwingbare Sehnsucht trieb, den heiligen Boden zu sehen und zu betreten. Von dieser Reise aus schrieb er an seinen in der Heimat zurückgebliebenen Sohn einen Brief, der die Lauterkeit seines Gemütes, die tiefe Demut und Frömmigkeit, welche diesen Mann beseelte, am deutlichsten