Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Reicher Segen erwächst jedem aus der Vertiefung in dieses Werk. Ein klarer, durchdringender Verstand, gepaart mit glühender Liebe zur göttlichen Lehre, beleuchtet auch die schwierigsten Stellen mit hellem Lichtstrahl. In der Vorrede zu dieser Pentateuch-Erklärung lässt sich Rarnban wie folgt vernehmen: „Die Lernbeflissenen, welche durch die Leiden des Exils und die Sorge um das tägliche Brot ermüdet und niedergedrückt sind, mögen am Schabbos und Jom Tof, wenn sie den Pentateuch einsehen, eine geistige und seelische Erholung in diesem Kommentar finden“. Es ist selbstverständlich, dass dieser grosse Geist Tag und Nacht dem Studium der göttlichen Lehre oblag und in stiller, glücklicher Selbstgenügsamkeit es verschmähte, vor das Forum der Oeffentlichkeit zu treten. Einmal musste er es aber doch tun, weil es sich darum handelte, das Judentum und seine Lehre gegen öffentliche Angriffe zu verteidigen. Der König von Spanien berief ihn zu einer Disputation mit einem Apostaten nach Barcelona, wo er mehrere Tage in Gegenwart des Königs und aller Grossen des Reiches, mit den Waffen des Geistes unerschrocken alle Behauptungen und Anschuldigungen des Apostaten ab wies. Sieggekrönt ging Ramban aus dieser wissenschaftlichen Disputation hervor und es wäre eine lohnende, den Rahmen dieser kurzen Abhandlung aber weit überschreitende Aufgabe, den Leser über das Thema und seine Erörterung des nähern zu unterrichten. Aber nicht die Gelehrsamkeit, das gründliche und tiefe Wissen haben diesen Grossen in Israel uns wert und unsterblich gemacht, sondern — und das ist ein Grundzug aller wahrhaft jüdischen Gelehrten — die Grösse dieses Charakters, das völlige Aufgehen in dem Streben, Gott zu dienen und durch Verbreitung der göttli^ chen Lehre die Mitmenschen zu vervollkommnen, zu lernen und lehren, zu beobachten und auszuüben, das ist’s,