Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Basler Philosoph verkündet in einem Rektoratsprogramm den Ursprung der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik. Aus all dem Gesagten geht hervor, dass die Religion die Quelle der Philosophie, die ihr in Charakter und Gegenstand ähnlich, ist. Doch gibt es einen Unterschied zwischen der Philosophie und der Religion. Letztere übertrifft erstere durch ihre hohe Quelle; die Prophetie und der Ruach-hakodesch. Die Andacht des Gebetes, die Einfalt, das Vertrauen und die willige Unterwerfung unter das Joch der Gebote führen in die Nähe Gottes. Die göttliche Wahrheit offenbart sich im Mysterium den Gottesfürchtigen, den Auserwählten, deren Seele nach ihr lechzt. Nach der geforderten Vorbereitung kommt die Offenbarung als Neuschöpfung aus dem Nichts. Der Ausgangspunkt der Philosophie ist ein äusserlicher, sie geht aus von der Betrachtung der Natur und der Welt. Ihr Weg ist lang, voller Hindernisse und Zweifel, die stufenweise und im Laufe der Zeit einer nach dem andern genommen werden.1) Der Ausgangspunkt der Mystik ist ein innerlicher, Ihre Geheimnisse offenbaren sich unmittelbar in der Herrlichkeit und Erhabenheit der Seele. Plötzlich, und ein neuer Himmel und ein neues Land und ein erhabener Gott erscheinen dem bescheidenen Menschen.2) .Die Mystik, deren Lebensnerv der religiöse Glaube, genährt vom heiligen Mysterium der Mizwoth, ist, und die Philosophie, der Forschung und Kritik, genährt vom Zweifel, wesentlich ist, bedrängen einander. Aber dieses Bedrängen führt zur logischen Begrenzung und Klärung der Dinge.3) Wenn beide Ausgangspunkte und beide Wege sich in einem Menschen vereinigen, entsteht eine religiöse Philo- *) S. Haemunoth wehad. Einleit. Absch. 3. 2) s. Kusari, Abschn. 4, \ 5. 3) s. Rabbi. A. J. Kuk, Rosch Milin, London 5677 (1917).