Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 132)
- Language
- German
- Belongs to
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131 aufnahm) aus den Mythologien der Religionen. Und es ist wahrscheinlich, dass, wenn nicht letztere gewesen wären, er nicht zu dieser Paradoxie gekommen wäre, die in der Basis seines Systems liegt. Die neue Philosophie atmet ganz den Odem der Religion ein. Descartes ist Jesuitenzögling, und sein System beruht schliesslich auf dem theologischen Satz, dass Gott ihn nicht täuschen werde. Sein Schüler Baruch war, wie Freudental treffend ausführt,1) nur durch seine Erziehung in unserer heiligen Religion befähigt zum Ausbau seines lautern ethischen Systems, das Einzelnen aus den anderen Nationen fast zur Religion wurde. Das Hauptwerk des Vaters der Aufklärung ist die Theodizee, der ein Diskurs über die Uebereinstimmung zwischen Vernunft und Glauben vorangeht. Der grosse Kritiker ist in der Luft des Pietismus herangewachsen, der dann zum Masstab für sein ganzes Leben wurde und starken Einfluss auf sein ethisches System ausübte. Sein Buch, „Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft“ ist bahnbrechend für die neue Religionsphilosophie geworden. Seine Schüler, die drei Grössen des Idealismus in Deutschland, studierten Theologie, und ihre Jugendwerke sind der Religion und den Heiligen Schriften gewidmet. Das Erstlinsgwerk Fichtes, das er Kant vorlegte, war die Kritik aller Offenbarung. Der Pfarrersohn Schelling verwarf später sein Identitätssystem, das er negative Philosophie nannte und stellte ihr gegenüber eine positive Philosophie auf, die Philosophie der Mythologie und Offenbarung. Hegels Philosophie ist eine Umgestaltung der Lehre vom Heiligen Geiste. In ihm hat die moderne allgemeine Religionsphilosophie ihren Höhepunkt erreicht. In letzter Zeit neigen die Physiker-Philosophen (Fechner) dazu, in den Sternen Engelantlitze, und in den Pflanzen lebende Seelen zu sehen. Und der moderne *) S. F'reudental, J. Spinoza, sein Leben und seine Lehre.