Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
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129 mit andern Namen, wirft die Religionsphilosophie auf. Hier heissen sie: Einheit Gottes, Attributenlehre, Vorwissen und freie Wahl (jedia uwechira), Vorsehung für den Einzelnen und für die Nationen, Messias und zukünftige Welt. Die Religion ist Metaphysik, pflegte Schelling zu sagen. Und Hegel sagt in der Einleitung zur Enzyklopädie: Sie hat ihre Gegenstände zunächst mit der Religion gemeinschaftlich. Beide haben die Wahrheit zu ihrem Gegenstände, und zwar im höchsten Sinne — in dem, dass Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist. Beide handeln dann ferner von dem Gebiete des Endlichen, von der Natur und dem menschlichen Geiste, deren Beziehungen aufeinander und auf Gott, als auf ihre Wahrheit. Und der moderne jüdische Marburger Philosoph sagt: In Wahrheit war Metaphysik immer Religionsphilosophie. (Ethik, S. 112.) Die Religion übertrifft die Philosophie durch ihre Geschichte. Mit Variation der mittelalterlichen Formel — philosophia ancilla theologiae est, darf man jetzt sagen: Die Philosophie ist die Tochter der Religion. Sie ist von dieser geboren und grossgezogen worden. Dies ist zwar nicht die herrschende Meinung; aber ein selbst nur oberflächlicher Ueberblick über die Geschichte der Philosophie wird sie bestätigt finden. Der griechische Philosophiehistoriker, Diog. Laert, beginnt sein Werk wie folgt: Die Beschäftigung mit der Philosophie hat, wie man sagt, bei den Barbaren begonnen. In Persien waren es die Magier, in Babylonien und Assyrien die Chaldäer, in Indien die Gymnosophisten und in Aegypten war es Vulkanus, Sohn des Nil, der die Anfänge der Philosophie erfand. Von ihm nahmen sie die Priester und Propheten. Dieser Eklektiker gibt damit eine Meinung wieder, die allgemein bekannt und anerkannt ist, da sie auch durch Andere bestätigt wird; so durch die Erzählung Platons, dass Solon, einer der 9