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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 128

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 128 (sequence 129)
Language
German
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128 wahre Religionsphilosophie „Geburts wehen“. Wenn sie allein ist, kennt sie wohl Momente des unsicheren Tastens und der Verwirrung. Schmerz und Verzweiflung reinigen sie, bis sie endlich, nach heissem Gebete, den Weg aus der Irre, den Weg Gottes findet. Eine solche wahre Religionsphilosophie finden wir im „Führer der Verirrten“ Maimunis. Aus dieser grundsätzlichen Verschiedenheit der Charaktere der apologetischen und wahren Religionsphilosophie ist es zu erklären, dass Maimonides R. Saadia Gaon selbst dann nicht erwähnt* wo er ihn hätte erwähnen sollen; z. B. in seinen Ausführungen gegen die Verkörperlichung Gottes und betreffs der Art Onkelos, diese zu vermeiden, was nach“ drücklichst im Haemunoth wehadeoth hervorgehoben ist.1) Die Religion in ihrem theoretischen Teile ist der Philosophie in Charakter und Gegenstand ähnlich, übertrifft aber letztere durch ihre Geschichte und Quelle. Beide, Religion wie Philosophie, suchen ein Etwas, das höher ist als ihre Sphäre, beide sehnen sich nach dem, was sie nie erreichen können. Das höchste Wissen ist, dass wir nichts wissen können — sagt die Philosophie; nie wird mich ein Mensch sehn und am Leben bleiben — die Religion. Beide müssen sich begnügen mit der Liebe zur Weisheit, der Philo-Sophia, und mit der Ehrfurcht vor dem Weisheitspender, den wir nicht seh’n noch kennen, wohl aber an seinen Taten erkennen. Die drei grossen Probleme, der Einheit, Gerechtigkeit und Freiheit sind der gemeinschaftliche Gegenstand der Religion und der Philosophie. Die Metaphysik fragt nach der Einheit der Weltordnung, Monismus, nach der Notwendigkeit der Geschehnisse und der Freiheit des Willens, Determinismus-Voluntarismus, und nach der Gerechtigkeit in der Welt, Theodizee. Dieselben Fragen, nur *) Abschnitt II. Ende C. 9.

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