Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Denn dort begehrten unsere Räuber von uns Gesangesworte, und unsere Plünderer Jubel: singet uns ein Lied yon Zion. — ״Wie sollen wir des Herrn Lied singen auf fremdem Boden? Vergesse ich dein, Jerusalem, so versage meine Rechte. Meine Zunge klebe am Gaumen, wenn ich dein nicht denke, wenn ich Jeruscholajim nicht setze über die höchste meiner Freuden.u Dieser Psalm in seiner zweiten Hälfte gibt uns aber auch Aufschluss darüber, warum unser eifriges Forschen und Suchen nach den uralten Tempelgesängen, bis jetzt sehr geringen Erfolg gebracht hat. ״Wie sollen wir des Herrn Lied singen auf fremdem Boden?“ Die Harfe Israels wird seitdem in bildlich künstlerischer Gestaltung mit gerissenen Saiten dargestellt; nur die dünnen feinen Saiten schwingen noch . . . In seiner Verfolgung fand Israel weder Zeit noch Stimmung, die Musik zu pflegen und weiter zu entwickeln. Es sind daher nur geringe und mehr äusserliche Resultäte, die wir über die Beschaffenheit der alten Tempelmusik festhalten können. Die Harmonie fehlte bekanntlich dem ganzen Altertume. Erst das 10 Jahrhundert brachte sie in die musikalische Kunstentwicklung. Die althebräische Tempelmusik hatte nur unisonen Charakter. Doch suchte man nach Begleitstimmen, und wenn man von Terze und Quinte noch keine Ahnung hatte, so suchte man sich mit der Oktave (על השמינית) zu trösten. Die Auffassung: ״ על עלמות שירvon der Jugendstimme (Sopran) vorzusingen״, ist eine sehr riehtige. Während die Oberstimme von den Harfen בנבלים gespielt wurde, spielten die Cithern (במצלתים) die Unterstimme. Dieser unisono Vortrag beeinträchtigte aber den Kunstgenuss nicht im geringsten, denn auch heute