Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 118)
- Language
- German
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117 Der synagogale Gesang. i. Welch hohe Bedeutung dem synagogalen Gesänge zukommt, beweist ein Ausspruch des Sohar, der da lautet: „Im Himmel gibt es heilige Räume, die sich nur öffnen durch Lied und Gesang“. Schon beim Auszuge aus Mizrajim, also in den ersten Kindheitstagen des jüdischen Volkes, sehen wir, wie es mit Gesang und Paukenspiel seinen Gott verherrlicht. Mose und Israel singen dem Ewigen ein Loblied am roten Meere. Und Mirjam, die Prophetin, Schwester Ahrons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen hinter ihr her mit Pauken und Reigen. Aus dem packenden Inhalt des Textes können wir schliessen, wie gewaltig und ergreifend der Gesang gewesen sein muss, der uns leider nicht erhalten geblieben ist. Dass auch Takt und Rhythmus nicht gefehlt haben, beweisen die begleitenden Paukenschläge und Tänze. Ein weiterer Lobgesang ist das „Brunnenlied“, dem Weltschöpfer gesungen zum Dank für die Wasserspende in der Wüste. Da sang Israel schon selbst (4. B. M. 21, 17/18). In der Zeit der Richter sehen wir, wie Debora und Barak in einem hochpoetischen Sang Gott preisen für den verliehenen Sieg. Auch Saul, der erste der Könige in Israel, sucht in der Musik Heilung gegen die Melancholie. Und unter König David, der Sänger und Dichter zugleich war, feierte die hebräische Musik die höchsten Triumphe jener Zeit. Dass das hebräische Lied geschätzt und gerne gehört wurde, beweist uns am besten der 137. Psalm: An Babels Strömen, da setzten wir uns und weinten, wenn wir Zions gedachten. An die Pappeln darinnen bängten wir die Harfen.