Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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109 in Eurer Mitte sind und Eure Wahrsager, höret nicht aut Eure Träume, die Ihr träumt.“ (Jeremia 29, 7/.) Aus dem Zusammenhang und aus anderen Quellen lässt sich schliessen, dass die falschen Propheten und Träumer hofften, mit Egyptens Hilfe sich gegen Babylonien empören zu können. Jeremia will nicht nur keinen Aufstand, sondern empfiehlt sogar: „Suchet das Heil der Stadt etc.“ Als während der Belagerung Jerusalems König Zedekia den Propheten nach dem Erfolg des Krieges befragt, da rät Jeremia ihm, den Widerstand gegen Nebukadnezar aufzugeben und prophezeit ihm für diesen Fall einen glimpflichen Frieden. Sollte aber der König den Rat nicht befolgen, so werden sogar seine Frauen ihn bald verspotten und von ihm sagen: „Betrogen und überredet haben Dich Deine Bundesgenossen, als Deine Füsse im Schlamm versanken, da wichen sie von Dir.“ (Jeremia 38, 22) Zedekia gehörte aber zu denen, die zwar Rat verlangen, aber keinen Rat befolgen, und das vorausgesagte Unglück blieb nicht aus. Die kleinen verbündeten Nachbarvölker leisteten Jerusalem nicht nur keine Hilfe, sondern zum Teil befleissigten sie sich gegenüber den Babyloniern einer mehr als wohlwollenden Neutralität. Wohl machte Egypten, nachdem die Belagerung bereits ein Jahr gedauert hatte, endlich einen Hilfsversuch. doch wurde es von den Babyloniern geschlagen und hiermit war das Schicksal der Heiligen Stadt entschieden. Das Bündnis mit Egypten hatte nicht zu retten vermocht. Ausser Jeremia hatte dies auch der Prophet Ezechiel wiederholt prophezeit. Lediglich die auf Gottes-Erkenntnis gebaute Neutralität hätte das Unglück abwenden können. Basel M. Sohlberg.