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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 87 (sequence 88)
Language
German
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87 so kann doch nicht verschwiegen werden, dass die Verschmelzung zweier heterogener Pflichtenkreise mit jener Rücksicht in die Wege geleitet werden muss, welche jeder Erscheinung im Gebiete des Seelenlebens gebührt. Das war aber nicht der Fall. Das Ereignis der Emanzipation kam zu plötzlich und kam von aussen. Die Gleichberechtigung war eine Folge des weltpolitischen Geschehens, die von der französischen Revolution ausging, und durch die Weltpolitik Napoleons weitergetragen wurde, die aber nicht aus der Judenheit organisch herausgewachsen, oder von den Juden gefordert und erkämpft worden war. Bei der politischen Umwälzung, die der französischen Revolution in Europa folgte, ergab sich ungewollt, als eine Forderung des in Frankreich aufgestellten Grundgesetzes, die bürgerliche Gleichheit. Sie traf die damalige Judenheit für die Doppelstellung als Juden und Bürger seelisch nicht vorbereitet. Die jüdische Begriffs weit, das jüdische Seelenleben war auf dieses doppelte Mass von Pflichten, die zwei verschiedenen Welten anzugehören schienen, nicht eingestellt. Das ganze Gebaren der Juden in der auf die Emanzipation unmittelbar folgenden Epoche trägt deshalb den Stempel der Unsicherheit. Naturgemäss widmeten sich die Juden in erster Reihe der neuartigen Welt, der Kultur und der Zivilisation, die nun erschlossen vor ihnen lag, und es ist erstaunlich, wie rasch die Folgen eintraten, die wir jetzt als historische Notwendigkeit erkennen können. Wenn auf eine kleine Pflanze ein grosser Stein gewälzt wird, so hängt ihr Weiterbestehen von der Lebenskraft ab, die sie ihm entgegensetzen kann. Ist diese gross, so wird die Pflanze nach verschiedenen Seiten neue Triebe ansetzen, die vielleicht durch das grosse Hindernis, das ihrem Wachstum entgegensteht, verküm-

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