Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3135693-3135696--0328-3136051- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 gestorben, und im Laufe der Zeiten mag sich auch die Vorstellung von dem geändert haben, was eigentlich an dem Lande besonders zu schätzen ist, was es in den Augen der Besitzer aus der Reihe der Länder des Erdenrundes emporhebt. Die Alten liebten die sonnigen Triften und Wiesen, die schattenreichen Wälder und die ragenden Berge, das heutige Geschlecht hängt vielleicht mehr an der modernen Grosstadt mit den Stätten, die der Pflege von Kunst und Kultur gewidmet sind. Es schätzt mehr die hochentwickelte Industrie, die fortgeschrittene Technik und die reiche Blüte des Landes. Nicht das Land hat sich geändert, wohl aber seine Einwohner, und mit ihnen ist auch die Anschauung über den Wert des Landes dem Wandel der Zeiten unterworfen. Für uns Juden ist das Judentum das ewige, unveränderliche, teure Land, das, unberührt und unbeeinflusst von den wechselnden Geschlechtern der Judenheiti stets das gleiche bleibt. Es mag wohl zutreffen, dass eine Generation von der einen oder andern Idee des Judentums in besonders hohem Masse erfüllt und beherrscht ist, dass beispielsweise im Altertum das gewissenhafte Fernhalten von allem Heidnischen, das unbedingte Betonen des monotheistischen Gedankens, die Judenheit charakterisierte, während heute der Sabbathheiligung, die das moderne Leben so unendlich erschwert, eine überragende Rolle bei der Beurteilung der jüdischen Opferfreudigkeit zufällt. Wie aber das Land trotz des Wechsels seiner Einwohner sich gleich bleibt, so ist auch die Thora keinem Wandel unterworfen. Die Tatsache, dass sie göttlichen Ursprungs ist, hebt sie aus dem Kreise menschlicher Schöpfungen heraus und sichert ihr die Ewigkeitsdauer. Haben die Krieger nicht den Grund und Boden selbst zu schützen, denn dieser kann ja nicht von der Erde verschwinden, sondern nur sich selbst und ihre An-