Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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83; siegreich mächtige Völkerschaften und starke Nationen, den widerwärtigsten Umständen zum Trotz überdauert hat. Der Ideengehalt des Judentums ist im jüdischen Schrifttum niedergelegt, in dem was wir zusammenfassend die „Thora“ nennen. Was für uns Juden die Thora ist, das hat am eindrucksvollsten Rabbi Akiba in jenem bekannten Gleichnis geschildert, das in den Sätzen gipfelt: „das Lebenselement der Fische ist das Wasser, das Lebenselement des jüdischen Volkes ist die Thora“. Verlassen die Fische das Wasser, so müssen sie sterben. Verwerfen die Juden die Thora, so müssen sie zugrunde gehen. Andern Völkern bedeutet ihr Land alles. Besitz oder Verlust ihres Landes entscheidet über ihre Existenz oder ihren Untergang. Darum verspritzen sie ihr Blut, opfern Gut und Leben für das Land, das ihnen teuer ist. Wir Juden haben vor mehr als 1800 Jahren unser schönes Heimatland verloren. Aber die Thora ist uns geblieben. Für sie und durch sie leben wir. Das, was den Völkern ihr Vaterland, das ist uns die Thora. Die Gotteslehre machte uns zu einem Volke ehe wir das Land besassen, und so lange wir an ihr festhalten, sind und bleiben wir ein Volk auch ohne Land. Die streitenden Völker ringsum kämpfen mit Aufbietung air ihrer Kräfte für ihr Vaterland, und nach dem Worte des alten römischen Dichters scheint es ihnen ehrenvoll und schön, für das Vaterland zu sterben. Sie kämpfen für den Besitz ihres Landes, nicht nur für seine Erhaltung, denn diese ist nicht bedroht. Das Land kann seinen Besitzer wechseln, es selbst ändert sich nicht. Das gleiche Land, um das heute gekämpft wird, ist schon vor Jahrtausenden von ganz anders gearteten Menschen verteidigt worden, von Menschen, mit denen die heutigen Verteidiger kaum etwas gemein haben. Geschlechter sind in diesem Lande geboren worden und