Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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82 widmen. Weil dieses Buch in der Schweiz erscheint, ist es wohl am ehesten zu einer derartigen Betrachtung geeignet, denn von diesem Lande aus, dem eine gütige Vorsehung und eine weise Regierung den Segen der Neutralität erhalten hat, kann man wie von einer Insel des Friedens im Meere der kriegerfüllten Welt leichter — sine ira et studio — Umschau halten. Bedarf doch der jüdische Solidaritätsgedanke, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, einer Stärkung und Belebung in einer Zeit, in der wir vor der traurigen Tatsache stehen, dass infolge unserer Zerstreuung unter den Völkern, Juden gegen Juden kämpfen müssen, und der Jude nicht selten in seinem jüdischen Bruder einen Feind erblickt. In den folgenden Zeilen handelt es sich, das sei ausdrücklich bemerkt, nicht um eine Schilderung politischer oder wirtschaftlicher Zustände, wie sie für uns Juden in den verschiedenen Ländern bis zur gegenwärtigen Zeit von Bedeutung waren. Wir machen es uns vielmehr lediglich zur Aufgabe, das Verhältnis der einzelnen Juden unserer Tage zum Ideenkreis der jüdischen Welt, die Stellung der Juden keif zum Judentum einer Darstellung und Prüfung zu unterziehen. Hier sei gleich ein Wort über die Trennung dieser beiden Begriffe vorausgeschickt. Dass diese scharf auseinander zu halten sind, ist schon oft hervorgehoben worden. Juden heit verhält sich zum Judentum wie Gefäss zum Inhalt. Die Judenheit dient der Idee des ewigen Judentums als Träger, als Gefäss. Was wir nun unter Judentum zu verstehen haben, ist, wenn wir von den Versuchen der letzten Jahrzehnte nach einer neuen Definition absehen, niemals zweifelhaft gewesen. Es ist das alte überlieferte Judentum, jenes Judentum, das sich als das überragende Zeugnis für das göttliche Weltenwalten durch die Jahrtausende hindurch erhalten und in seinem so wunderbaren geschichtlichen Wandel