Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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77 Kriegsinstinkte im Menschen begründet, steht eine Unähnlichkeit gegenüber. Zwischen Mensch und Tier besteht eine Kluft, die unüberbrückbar bleibt. Auch andere Lebewesen denken; der Mensch allein erkennt sich aber in seinem Denken als ein Denkendes. Auch der Mensch begehrt; aber der Mensch allein erkennt sich als ein Begehrendes\ Diese Selbsterkenntnis, in welcher die andern Lebensgeschöpfe dem Menschen nicht nachkommen, begleitet jede Wahrnehmung und jede Willenserregung. Sie ist durchgängige Einheit, Einheit des Bewusstseins seiner selbst. Diese Einheit kann von keiner Wahrnehmung durchbrochen, von keinem Wollen ganz vernichtet werden. Sie ist der stehende Pol in der Flucht der Impressionen und der Gefühlserregungen, denen sie Zusammenhang schafft. Und eben durch diesen Zusammenhang erhebt sie die rohe Wahrnehmung (Impression) zur Erkenntnis und die Erkenntnis zur Wissenschaft. Denn Wissenschaft ist nichts anderes als zusammenhängende, zur Erkenntnis gewordene Wahrnehmung. Und eben durch diesen Zusammenhang erhebt sie ein sittlich geartetes Wollen zum sittlichen Wollen und das sittliche Wollen zur Moral. Denn Moral ist zusammenhängendes, von der Einheit des Bewusstseins begleitetes sittliches Wollen. So wachsen denn aus der Einheit des Bewusstseins, die als ein Gnadengeschenk Gottes dem Menschen allein unter dem Namen nötW verliehen worden und die als „Gottes Odem“ an der Göttlichkeit selbst partizipiert, zwei Erkenntniszweige, deren reicher Inhalt das ganze Leben füllen; sie heissen Wissenschaft und Moral. Die Einheit des Bewusstsein, dieser Sonderintellekt, womit Gott den Menschen ausgezeichnet, hat also eine Aufgabe, nämlich wissenschaftlich zu erkennen und moralisch zu wollen; oder die Aufgabe der Erkenntnis als Wissenschaft und die des