Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Zeit in der Schweiz als Handwerker sein Brot verdient, musste seiner angegriffenen Gesundheit wegen auf kurze Zeit einen Kurplatz besuchen. Da hört er, es befinde sich ein Bes Hamidrasch am Platze. Seit langer Zeit hat er keines mehr gesehen. Er eilt hin, und während seiner ganzen Kurzeit sitzt er tagsüber zuhörend und lernend im Bes Hamidrasch. ״ O, hatte ich zu Hause diese Gelegenheit! Ihr dürft Euch glücklich schätzen!“ So beteuert er uns ein um das andere Mal. Auch unsere alljährlich periodisch stattfindenden Chewras Schass-Zusammenkünfte beweisen, dass unsere hl. Thora noch heute eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt auf alle diejenigen, die sich liebend mit ihr beschäftigen. Es ist zu einer edlen Gewohnheit geworden, dass sich alljährlich mindestens einmal Leute zusammenfinden, die der höchsten Aufgabe unseres Lebens in brüderlicher Eintracht obliegen. Wie den עולי רגלים bei ihrem Passieren der einzelnen Städte und Dörfer überall herzlicher Empfang bereitet wurde, so treffen sich unsere Gesinnungsgenossen auf den einzelnen Stationen der Eisenbahn, die zum Versammlungsort führt, und der begrüssende Händedruck ist von einer Innigkeit und Wärme, als ob etwas von der Liebe, die alle gemeinsam *beseelt, sich vom Herzen in die Hand ergösse. Die Vergnügungen unseres irdischen Seins — die rein ausserliehen und körperlichen — ziehen ja meist kinoartig schnell an uns vorüber und lassen selten einen dauernden Genuss in unserem Bewusstsein zurück. Höhere geistige Freuden aber graben sich wie eherne Schriftzüge in unsere Seele, sie verblassen nicht und wecken noch in spätesten Tagen einen sonnigen Nachklang. So ergeht es uns jedesmal, wenn wir zurückdenken an die schönen Stunden des Beisammenseins mit Freunden unserer hl. Thora. Gibt es etwas Labenderes, zumal in unseren finsteren Tagen, Wenn die banalen, unerquicklichen Ge-