Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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69 für die Zukunft des Judentums. Nach der Entlassung aus der Schule betätigt sich dann diese Art von „Religion“ in einer Weise, dass jeder, der sie zu beobachten Gelegenheit hat, von Herzweh ergriffen wird. Billard- und Kartenspiel, oder das Verschlingen sinnreizender Romanlektüre können kein Judentum erzeugen, das fähig wäre, den hunderterlei Gefahren des Lebens zu trotzen. Die Götzentempel des mammonistischen Zeitgeistes haben überdies Schabbos und Festtage in ihrer von Weltbeginn an geheiligten Weihe verdrängt und zerstört. Auch die Hochschulen sind nichts weniger als Pflanzstätten für eine auf Gott und seine Lehre gegründete Lebensauffassung. Die voraussetzungslose Wissenschaft arbeitet mit einem von Jahr zu Jahr wachsenden Erfolg und es sind bis jetzt keine Anzeichen vorhanden, dass dies nach dem Kriege besser sein wird. Ein grosser Prozentsatz der jüdischen Studierenden rekrutiert sich aus solchen, die vom Heimatlande der Thora, aus Russland kommen. Sie gelangen unversehens in neue ungekannte Lebensverhältnisse. Wie müsste es für sie eine Wohltat sein, durch eine Jeschiwoh die Beziehungen mit dem Mutterlande aufrecht erhalten zu können! Wir dürfen nicht vergessen, dass es in früheren Zeiten weit weniger ins Fleisch des jüdischen Gesamtkörpers schnitt, wenn einzelne Entgleisungen vorkamen, weil die grosse Mehrheit in Treue zum jüdischen Zentrum stand. Heute liegen die Verhältnisse anders* Eine einzelne Absplitterung kann gefährlich werden. Darum muss mit allen zu Gebote stehenden Mitteln darnach gestrebt werden, unserer Jugend wieder geistige Mittelpunkte zu schaffen, die sie aufklären über Aufgabe, Zweck und Ziel jüdischer Lebensbetätigung. Was unsere hl* Thora vermag, wenn sie als Saatkorn in das jüdische Kindesherz gepflanzt ist, haben wir erst dieser Tage wieder mit beglückender Genugtuung beobachten können. Ein junger Mann, aus Russland gebürtig, der aber seit längerer