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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 36 (sequence 37)
Language
German
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36 Religion. Nicht auf diese, sondern auf den Kern komme es an, das sind die Gedanken der Sittlichkeit, der Heiligkeit, des Edlen und Guten, die das Wesen der Religion ausmachen. Aber mit den Worten des grossen Dichters können wirerwidern: „Natur ist weder Kern noch Schale, alles ist sie mit einem Male“. Was für die Natur gilt, gilt auch für die Gotteslehre. Auch die scheinbar äusserlichen Gebote führen zur Verinnerlichung der Religion und machen das Leben zu einem Dienste Gottes. Die Vorschriften unserer Thora, die unser ganzes Dasein umhegen und auf Schritt und Tritt uns begleiten, tragen zur Heiligung des Lebens bei, zu der Erkenntnis, dass wir nicht auf Erden sind, um nach dem Belieben unseres Herzens zu wandeln, dass diese Welt nicht ein Ort des Vergnügens und der Lust ist, sondern dass wir eine Aufgabe auf Erden haben, die Pflicht, nach Gottes heiligem Willen zu leben und in dieser Welt, in der wir nur Fremdlinge sind, auf ein höheres Dasein uns vorzubereiten. Aber werden nicht gerade die heiligsten Tage des Jahres von vielen unserer Glaubensgenossen rein äusserlich erfasst? Wohl hört man den Schofarschall am Roschhaschono, aber man vernimmt ihn ohne Ergriffenheit. Der Ton dringt ans Ohr, aber nicht ins Herz, und die wenigsten geben sich Rechenschaft über die Bedeutung dieses Rufes, den Gott an der Wende des neuen Jahres an uns ergehen lässt. Wohl sagt man am Jom Hakipurim die vorgeschriebenen Gebete, aber man bleibt ungerührt, wohl klopft man an die Brust, weil es auch der Nachbar tut, aber das Herz wird nicht weich und öffnet sich nicht. Man fastet auch an dem heiligen Tage, spähend ob der Zeiger der Uhr bald das Ende der Kasteiung

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