Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 194)
- Language
- German
- Belongs to
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193 Die absolute Notwendigkeit der Existenz des R. M. D. und der Verwirklichung seiner Ziele kann nur in vollem Umfang verstanden werden von denjenigen, die das seelische Leiden näher kennen gelernt haben, das Tausende von jüdischen Kriegsgefangenen, die über Europa und Asien zerstreut sind, niederbeugt. Das Zentralkomitee des R. M. D., das ungefähr vor Jahresfrist seine Tätigkeit aufnahm, hat schon in seinem Archiv die sprechendsten Beweise davon. Tausende von jüdischen Kriegsgefangenen gibt es, die nach einem Trosteswort aus für sie berufenem Munde vergebens schon „Jahre und Tag“ sich sehnen. Selbst in den Seelen derjenigen Gefangenen und Internierten, die dem Judentum im praktischen Leben nicht nahe stehen, regt sich das latente jüdische Empfinden unter den schicksalsschweren Umständen, die sie aus Heimat und Verwandtenkreis weggerissen. Und wie viele Tausende gibt es da, die es als eine unsägliche Seelenqual empfinden, dass sie das, was ihnen als unverletzlich galt — Speise- und Sabbatvorschriften — verletzen müssen, oder dass sie — was ihnen die innere Kraft des Lebens verlieh — die Ausübung der jüdischen Zeremonien, welche ihnen das unnahbar Göttliche näher brachte, nicht durchführen oder in der Sprache der Väter nicht zu Gott ihr bedrücktes Gemüt erheben können. Wer da meint, dass in den verschiedenen Kriegsgefangenenlagern den religiösen Bedürfnissen der Juden genügend Rechnung getragen wird, irrt sich gewaltig. Gewiss, es wird in dem einen und andern Staat von den Juden sehr viel für die Glaubensgenossen, die als Kriegsgefangene in ihrem Lande seufzen, getan. Aber es ist bei weitem nicht überall der Fall. Und selbst da, wo das Beste beabsichtigt wird, fehlt oft die Möglichkeit, den Willen in die Tat umzusetzen. Damit hat das Z. K. des R. M. D. von vornherein