Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 193)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0194-3135916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 „Lieb Mütterchen,“ sagte sie, „mache dich frei und komme ins Speisezimmer. Mein Mann und die Kinder wollen die Chanuka-Lichter anzünden.“ „Ich komme gleich, liebes Kind“, sagte Frau Rosenstock. Wenige Minuten nachher begab sie sich ins Speisezimmer, welches im Renaissancestil eingerichtet, einen überaus angenehmen Eindruck machte. „Wir haben schon auf Sie gewartet, liebe Mutter“, sagte Herr Birkenstamm, Mathildens Gatte, der in einem der ersten Geschäfte B.’s als Prokurist eine einträgliche Stelle inne hatte. „Ich muss bald in’s Geschäft zurückkehren.“ Für Herrn Birkenstamm stand ein silberner Leuchter bereit, derselbe, der in der Familie erblich gewesen und den Frau Rosenstock zurückgekauft hatte. Für die Knaben, prächtige Jungen von 4—8 Jahren, waren Kerzen aufgesteckt. Es war der achte Chanukaabend, und die 45 Lichter verbreiteten eine grosse Helle. Und als sie alle brannten, da erklang das uralte Lied, das mit den Worten beginnt: Zuversicht, Hort meiner Hilfe, dich wollen wir preisen! — Unwillkürlich traten der Grossmutter und der Mutter die Tränen in die Augen. Sie gedachten jenes Abends, da sie bei demselben Gesänge von dem rohen Hauseigentümer unterbrochen worden waren und da ihnen Gott die unerwartete Hilfe gesandt durch die alte Thephilla. M. Lehmann. Vom Roten Mögen David. „Wenn diese Institution nicht schon gegründet wäre, müsste man sie unbedingt gründen“, sagte vor einigen Wochen in einem der kriegführenden Staaten ein Glaubensgenosse, der sich um die Fürsorge für die jüdischen Kriegsgefangenen, die sich in seiner Heimat befinden, sehr verdient gemacht hat.