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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 191 (sequence 192)
Language
German
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IRI
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191 heraus. Es waren zwei zusammengelegte Tafeln, zwischen denen goldene Dukaten eingelegt waren. Mutter und Tochter waren starr von Ueberraschung. „Gelobt sei Gott,“ rief die Mutter, „Seine Hilfe ist immer nahe.“ Sie zählten die Dukaten; es waren fünfzig Stück. In freudiger Ungeduld lösten sie nunmehr das Silber von der andern Tafel. Auch hier bot sich dieselbe Erscheinunng. — Hundert Dukaten, welch ein Reichtum für die armen Verlassenen! „Sieh’ da, lieb Mütterchen, ein Zettelchen mit hebräischen Schriftzügen!“ rief Mathilde. Frau Rosenstock nahm das vergilbte Blättchen. „Es ist jüdisch-deutsch,“ sagte sie, „ich will meine Brille aufsetzen und sehen, ob ich es lesen kann. Und sie las: „Gott hat mich mit Glücksgütern reich gesegnet. Da aber unsere Weisen, ihr Andenken sei gesegnet, sagen, dass irdisches Gut vergänglich ist, so will ich für meine Nachkommen ein Sümmchen zurücklegen. Mögen diese hundert Dukaten, die ich in dieser Tephilla verberge, den in Not Geratenen zu einer Quelle neuen Wohlstands werden. Schönchen Reichelsheim.“ Viele Jahre sind seit dem erzählten Ereignisse vergangen. In einer der lebhaftesten Strassen der Residenz befindet sich ein prächtiger Laden, über welchem in vergoldeten Buchstaben die Firma: Karolina Rosenstock, Witwe“ zu lesen ist. Viele vornehme Damen befinden sich in dem Laden, um ihre Einkäufe für das bevorstehende christliche Fest zu machen; denn nirgendwo finden sie so schöne und geschmackvolle Stickereien, wie dort. Frau Rosenstock hat die Hände voll zu tun; zwei junge Mädchen helfen ihr, die Kunden zu bedienen. Da tritt Mathilde herein, die längst verheiratet und glückliche Mutter von vier Knaben ist.

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