Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 191)
- Language
- German
- Belongs to
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190 „Bester Herr Buddelmayer, zu meinem grössten Bedauern muss ich wiederum bitten, noch ein wenig Geduld zu haben. Sie wissen, dass ich sehr krank war. Jetzt geht es, Gott sei Dank, besser. Wenn ich erst wieder arbeiten kann, so werde ich wie früher die Miete bezahlen.“ „Larum, farum, ich muss mein Jeld haben! Bald jeht ein neues Vierteljahr an; so wird’s immer mehr, was Sie mich schuldig sind. Noch bin ich jedeckt durch Ihr bisschen Möbel. Nachher trägt’s nicht mehr jenug. Wenn ich nicht bis morjen mein Jeld habe, schmeisse ich Sie herraus! Basta.“ Sprach’s und entfernte sich ohne Gruss. „Mutter, Mutter, was fangen wir jetzt an?“ rief Mathilde weinend. „Sei getrost, mein Kind, du hast mich vorhin getröstet, jetzt will ich dich trösten.“ Frau Rosenstock nahm einen Schlüssel aus der Tasche, schloss die Schieblade einer Kommode auf und holte eine alte, mit Silber beschlagene Tephilla herbei. „Sieh, liebes Kind, das ist ein Vermächtnis meiner Urgrossmutter. Von ihr hat sie meine Grossmutter, von dieser meine Mutter erhalten. Die selige Urgrossmutter hat bestimmt, dass wir dieses Gebetbuch niemals veräussern, dass aber in jener Zeit der bittersten Not die Silberbeschläge abgetrennt und verkauft werden dürfen. Eine solche Zeit ist jetzt für uns herangekommen. “ Mathilde betrachtete neugierig das altertümliche Buch. Es war eine grosse Tephilla „für das ganze Jahr“, mit dicken Holztafeln, die an den vier Ecken mit schweren Silberbeschlägen eingefasst waren. Mit Mühe löste Frau Rosenstock das Silber von dem Holze ab. Als das an der einen Tafel an den beiden Enden geschehen war, fiel etwas Klingendes