Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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189 Wohlstandes mussten verkauft werden, und die bittere Not hielt ihren traurigen Einzug in das ärmliche Mansardenstübchen. Es fing an dunkel zu werden, und Frau Rosenstock zündete die Chanukalichter an, die vorgeschriebenen Berachoth sprechend. Als sie die Worte sagte: ,.Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du uns hast am Leben und aufrecht erhalten und hast uns gelangen lassen bis zu dieser Zeit“, brach sie in bittere Tränen aus, ihre Hand zitterte, und nur mit Mühe konnte sie das Licht anzünden. „Weine nicht, geliebte Mutter,“ sagte Mathilde, „der allmächtige Gott, der unsern Voreltern beigestanden in ihrer bitteren Not, wird auch uns nicht verlassen.“ Frau Rosenstock umarmte ihre Tochter und küsste sic. „Du hast Recht, mein Kind,“ sagte sie, „Gott wird helfen! Wir wollen jetzt das Festlied singen.“ Sie nahm ihr Töchterchen bei der Hand, und in dem Stübchen auf und ab gehend, sangen sie das uralte Lied, das mit den Worten beginnt: „Zuversicht, Hort meiner Hilfe, Dich wollen wir preisen!“ Die Türe wurde geöffnet und ein grosser, starker, in einen Pelz gehüllter Mann trat ein. „Da jeht es ja lustig zu“, rief er. „Na, das is man jut; es freut mir, Frau Rosenstocken, dass ich Ihnen bei so juter Laune treffe! Da werden Sie mich wohl nichts wieder vorjammern und mich jleich die rückständige Miete bezahlen!“ „Ah, Sie sind’s, Herr Buddelmayer,“ sagte Frau Rosenstock, ihren Gesang unterbrechend und dem Hauseigentümer einen Stuhl hinschiebend, „nehmen Sie gefälligst Platz!“ „Danke, danke, danke, es ist mich viel zu kalt hier oben, um mir lange zu setzen. Jeben Sie mir mein Jeld und dann ist es jut.“