Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 180)
- Language
- German
- Belongs to
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179 mit schwerem Herzen in das Gemach des Prinzen. Dieser empfing ihn aufs freundlichste. „Mein lieber P.,“ sagte er, „ich muss mich bei Ihnen entschuldigen wegen der Unannehmlichkeit, die ich Ihnen am Freitag abend bereitet habe. Graf L. St. war bei mir zu Gast. Die Rede kam auf die Juden. Der Graf behauptete, dieselben seien die materiellsten Menschen, die existieren; für Geld sei ihnen alles feil, und wenn es sich um ihren Vorteil handle, so sei ihnen nichts heilig, Ich widersprach, und wir entwerten eine Wette um ein Fass Tokayer. Wir beschlossen, Sie auf die Probe zu stellen. Nun, ich freue mich, dass ich die Wette gewonnen habe — nicht um des Tokayers willen, sondern deswegen, weil meine gute Meinung in bezug auf die Juden keinen Stoss erlitten. Wir Oranier wissen es ja, dass die Juden zu den besten und treuesten Staatsbürgern der Niederlande gehören. Meine Kundschaft verbleibt Ihnen; ich will aber auch dafür sorgen, dass der König und sein Hof künftig zu Ihren Kunden gehören.“ Wenige Wochen nachher erhielt Herr P. das Patent als königlicher Hoflieferant. Er kam nun mit sämtlichen Mitgliedern der königlichen Familie häufig in Berührung und gewann ihre Gunst in hohem Grade. Als die Prinzess Marianne, eine Tante des später regierenden Königs, von einer Reise in das Heilige Land zurückkehrte, brachte sie dem Hoflieferanten P. ein Andenken aus Jerusalem mit und zwar ein paar prächtige Tephillin. M. Lehmann.