Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 179)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Nachdem Herr P. den Brief gelesen hatte, sagte er: „Des Sabbats halber kann ich Sr. Königlichen Hoheit nicht schriftlich antworten. Haben Sie die Güte, dem Prinzen zu sagen, dass er zwar ein hoher, mächtiger Herr ist, dem zu gehorchen meine Pflicht und Schuldigkeit wäre. Allein es gibt einen noch viel höheren Herrn, und dieser, der König der Könige, der Schöpfer des Weltalls, hat mir befohlen, am Sabbat zu ruhen. Wie leid es mir auch ist, eine so hohe und einträgliche Kundschaft verlieren zu müssen — ich kann nicht anders.“ Als der Beamte sich entfernt hatte, war die Stimmung in der Familie eine verschiedene. Die erwachsenen Söhne, welche bereits im Geschäfte tätig waren, meinten, man hätte die Teppiche, ohne einen Preis zu bezeichnen, herausgeben dürfen; Prinz Hendrik sei einer der besten Kunden des Geschäftes, und seine Kundschaft würde schmerzlich vermisst werden. Da erhob sich die alte Grossmutter und sprach: „Schweigt, Kinder, und vollführt nicht solche Reden! Warum wollt ihr eurem Vater das Herz schwer machen? Freuen wir uns vielmehr, dass uns der allgütige Gott die Gelegenheit geboten, für seine heilige Religion ein Opfer zu bringen. Er ist reich genug und kann uns mehr geben, als wir wünschen und verlangen.“ Als der Sabbat zu Ende gegangen war, erhielt Herr P. eine Aufforderung, sich Montag früh, 10 Uhr, beim Prinzen Hendrik einzufinden. Die Frage, was der Prinz mit dieser Aufforderung bezwecke, beschäftigte die Familie nicht wenig. Zu fürchten hatte Herr P. nichts; lebte er doch in einem freien Lande, in welchem selbst ein königlicher Prinz ihn für die Weigerung, ihm zu Willen zu sein, nicht zur Rechenschaft ziehen konnte. Dennoch trat Herr P.