Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 178)
- Language
- German
- Belongs to
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177 „Sonderbare Zumutung!“ sagte der Hofbeamte lachend. „Wenn das Festspiel zu Ehren unserer Gäste, die morgen wieder abreisen, heute abend aufgeführt werden soll, so können wir doch unmöglich bis morgen abend mit den Dekorationen warten!“ „Und ich,“ entgegnete Herr P., „kann am Sabbat nicht verkaufen. Sprechen Sie gütigst Sr. Königlichen Hoheit mein tiefstes Bedauern aus. Wären Sie nur zwei Stunden früher gekommen!“ Der Beamte entfernte sich; der unterbrochene Gesang wurde wieder aufgenommen. Man sass noch bei Tische, als der Bote des Prinzen zum zweiten Male erschien. „Herr P.,“ sagte er, „Se. Königliche Hoheit lässt Sie dringend bitten, die gewünschten Teppiche zu senden. Dieselben sind hier in keinem andern Geschäfte zu haben, und wir brauchen sie notwendig. Wenn wir sie nicht erhalten, so würde das unser ganzes Arrangement stören.“ „Und ich“, antwortete P., „kann nur wiederholen, was ich schon einmal gesagt habe; es ist Sabbat, und daher muss ich unendlich bedauern, den Wünschen Sr. Königlichen Hoheit nicht nachkommen zu können.“ Kaum war das Tischgebet gesprochen, als der Beamte zum dritten Male erschien. Diesmal brachte er ein eigenhändiges Schreiben des Prinzen. Dasselbe lautete: „Mein lieber Herr P.! Ich muss die verlangten Teppiche sofort haben. Sie dürfen das Doppelte oder auch meinetwegen das Dreifache des gewöhnlichen Kaufpreises dafür verlangen. Sollten Sie sich dennoch weigern, meinen Wunsch zu erfüllen, so werden Sie die Folgen leicht selbst ermessen können. Ich bitte Sie zu erwägen, welche gute Kundschaft Sie bisher an meiner Hofhaltung gehabt haben. s’Gravenhag, . . . . . . Hendrik.“