Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 177)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Sabbat. Als ich im vorigen Sommer in Scheveningen verweilte, lernte ich einen ehrwürdigen Greis kennen, welcher der Held der nachfolgenden kleinen, aber wahrheitsgetreuen Erzählung ist. Herr P., einst Inhaber eines der grössten und bedeutendsten Geschäfte im Haag, hat sich nunmehr in das Privatleben zurückgezogen und das Geschäft seinen Söhnen übergeben. Jetzt nahezu 80 Jahre alt, stand er zur Zeit unserer Erzählung noch im rüstigen Mannesalter upd hatte auch das Glück, seine hochbetagte Mutter bei sich zu haben. Es war im Winter, an einem Freitagabend. Die zahlreiche Familie sass rings um den festlich geschmückten Sabbattisch. Schon war ein Teil der Mahlzeit verzehrt, und man war dabei, die für den Freitagabend bestimmten Loblieder (Semiroth) zu singen. Da erschien das Dienstmädchen und meldete, dass ein Hofbeamter Herrn P. zu sprechen wünsche. „Es tut mir leid, dass ich Sie störe“, sagte der Beamte, als er in das Zimmer trat. Ich komme im Aufträge Sr. Königlichen Hoheit, des Prinzen Hendrik. -Seine Königliche Hoheit lassen Herrn P. freundlichst ersuchen, die auf diesem Zettel verzeichneten Teppiche ^verschiedener Art sogleich in das Palais zu senden. Seine Königliche Hoheit erwarten dieselben sofort, da sie zur Dekoration für eine heute abend nach dem Souper aufzuführendes Festspiel gebraucht werden sollen. „Ich bedaure unendlich,“ sagte Herr P., „Sr. Königlichen Hoheit heute abend nicht dienen zu können. Der Sabbat hat schon seit einer Stunde begonnen. Se. Königliche Hoheit müssen sich schon bis morgen abend gedulden.“