Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 176)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Nach dem Gottesdienste begab er sich wieder zu seinem Lehrer und erzählte ihm ausführlich seinen wunderbaren Traum; er verschwieg ihm nichts. Als Jakob geendet hatte, sprach der Rabbi: „Mein Sohn, ich habe dir jenen Trank gereicht, dass er dich mit Schlaf umfange, zugleich aber deine Einbildungskraft belebe, damit der Traum dir deine innersten Gedanken zutage treten lasse. Du bist dir nun klar geworden über dich selbst. Wann wollen wir jetzt mit dem Studium der Kabbala beginnen?“ „0, teurer Rabbi,“ rief Jakob lebhaft, „ich will mich wiederum mit all meiner Kraft dem Talmud widmen!“■ „Nun, ich sehe, mein Tränklein hat seinen Zweck nicht verfehlt. Geh mit Gott, mein Sohn!“ Und Jakob ging; er war wieder der fleissigste und eifrigste unter den Schülern der Wormser Jeschiba geworden. Eines Tages nahm ihn sein Lehrer beiseite und trug ihm die Hand seiner einzigen Tochter Sarah an; mit Freuden willigte Jakob ein. Nach wenigen Monaten wurde die Hochzeit gefeiert, und Jakob zog in das Haus des Rabbi, der schon seit langem Witwer war. Als nun ein Jahr verflossen, da fasste der Rabbi den Entschluss, nach Palästina zu wandern, um dermaleinst sein müdes Haupt in heiligem Boden zur Ruhe zu legen. Sein Schwiegersohn ward sein Nachfolger im Amte. Jakob war ein Grosser in Israel; sein Name ward gerühmt in allen Ländern; mit dem Studium der Kabbala aber befasste er sich erst dann, als seine schwarzen Locken sich weiss gefärbt hatten. M. Lehmann.