Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
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174 „Und so wäre alles, was ich seitdem erlebt zu haben glaubte, nichts als ein Traum gewesen? Ich war nicht Herzog von Schwaben, nicht der Verlobte der Kaisertochter, nicht zum Tode verurteilt?“ Der Rabbi lächelte. „Ich weiss von all dem nichts,“ sagte er. „Aber das weiss ich, * dass du eingeschlafen bist in meinem Lehnsessel, und dass du die ganze lange Winternacht, die nunmehr bald zu Ende ist, sehr lebhaft geträumt hast. Was, ein Herzog bist du gar geworden?“ Da warf sich Jakob seinem Lehrer zu Füssen und bat ihn um Verzeihung darob, dass er ihm mit jenem Buche entlaufen und dankte ihm, dass er ihn vom Tode errettet. „Ich weiss es,“ sagte er, „kein anderer als Ihr hat mich aus Rom dem Richtschwert entführt; Ihr wollt es nur nicht Wort haben!“ In diesem Augenblicke erschollen die Hammerschläge des Synagogendieners, die da die Andächtigen zum Gottesdienste riefen. Der Rabbi hiess Jakob sich entfernen; dieser eilte in seine Wohnung, wo er Joseph noch schlafend antraf. Er weckte ihn und fragte: „Wie lange ist es, Joseph, dass wir uns nicht gesehen haben?“ „Seit gestern abend,“ antwortete Joseph, „da du zum Rabbi gingest, ihn um Unterweisung in der Kabbala zu bitten!“ „Also doch,“ sprach Jakob leise vor sich hin, „also doch — nur ein Traum!“ Und er schüttelte sein Haupt, wie jemand, der noch nicht ganz überzeugt ist. Als ihm aber auch in der Synagoge niemand besondere Beachtung schenkte, da fing er endlich an, dem Rabbi zu glauben.