Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 172)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0173-3135895- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
171 bereut! Mein Kaiser, warum lasst Ihr die Ketten des edlen Mannes nicht sofort lösen?“ „Lasst mir meine Ketten, Prinzessin“, entgegnete Jakob. „Ich werde nicht zu Euch zurückkehren. Durch meinen Tod will ich das Verbrechen sühnen, dass ich meinen Glauben verleugnet habe einen Tag lang. Ich bin wieder Jude und will als solcher leben und sterben!“ Als die Prinzessin das vernahm, entfärbte sie sich; doch unterdrückte sie den aufsteigenden Zorn. „Herzog Bilhard,“ sprach sie, „Euer Gemüt ist durch die jüngsten Ereignisse verbittert. Vergebt uns und seid wieder wie zuvor!“ „Ich habe Euch längst vergeben; ich werde ohne Groll aus dem Leben scheiden; ich verzeihe allen meinen Feinden; ich selbst habe mein Geschick verschuldet und will dafür büssen. Doch wisset das eine: Nie wäre ich Christ geblieben; als Kaiser wäre ich zum Judentume zurückgekehrt, wäre nach Jerusalem gezogen, das alte jüdische Reich dort wieder aufzurichten!“ Als das der Kaiser vernahm, war er ausser sich vor Zorn. „So fahre denn hin, elender Jude,“ rief er, „du verdienst dein Geschick!“ Dann ergriff er die Hand seiner Tochter und führte sie aus dem Gefängnisse. Hinter ihnen schloss sich die Kerkertür; Jakob war wieder allein in dem finstern, engen, dumpfen Raume; aber sein Herz erfüllte himmlische Freude. Er fühlte, dass er durch die ebenbewiesene Standhaftigkeit vieles wieder gut gemacht aus seinem vergangenen Leben. VIII. Auf dem Piazza del popolo wogte eine unabsehbare Menschenmenge, um das seltene Schauspiel der Hinrichtung eines Mannes zu geniessen, der gestern