Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 171)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Plötzlich schreckte ihn das Knarren der Kerkertüre aus seinem Sinnen hervor. Zu seinem Erstaunen sah er den Kaiser eintreten. „Bilhard,“ redete der Kaiser ihn freundlich an, „schon bereue ich meine Schwäche, dass ich dich deinen Feinden preisgegeben. Bilhard, ich komme, deine Fesseln zu lösen!“ „Ich heisse nicht Bilhard,“ antwortete der Gefangene in dumpfem Tone, „ich heisse Jakob. Die Hülle ist gefallen, ich werde sie nicht wieder aufnehmen!“ „Was ist das?“ fragte erstaunt der Kaiser. „Hat die kurze Haft deinen Mut so schnell gebrochen? Fürchte dich nicht; ich verderbe deine Ankläger, ich hebe dich wieder empor zur alten Höhe!“ „Das werdet Ihr nicht tun, Herr, sobald ich Euch sage, dass ich fest entschlossen bin, keinen Augenblick mehr zu lügen und zu heucheln, dass ich wieder als Jude leben und dass ich als Jude sterben werde!“ „Sei kein Tor, Bilhard! Hast du in diesem dumpfen Loche den Verstand verloren?“ „Nein, mein Kaiser, ich habe vielmehr in diesem Kerker meine geistige und sittliche Kraft wiedergefunden. Ihr konntet mich stürzen; aber ich selbst habe mich wieder erhoben. Niemand hat mehr Gewalt über mich, denn mein Gott allein. Ich habe Ihn verleugnet im Leben, ich will seinen Namen heiligen durch meinen Tod!“ Der Kaiser schüttelte das Haupt, ging dann zur Kerkertüre hinaus und kehrte mit seiner Tochter wieder. Als diese ihren ehemaligen Bräutigam so gefesselt da liegen sah, warf sie sich über ihn, umarmte ihn und benetzte ihn mit ihren Tränen. Die Ketten hinderten Jakob, sie von sich fern zu halten. „Bilhard, geliebter Mann,“ rief die Prinzessin unter Tränen, „kannst du mir verzeihen? Ich war so schnell bereit, dein Urteil zu fällen; ich habe es bereits bitter