Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 170)
- Language
- German
- Belongs to
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169 „Nicht doch, du musst eines schimpflichen Todes sterben, verhöhnt von all dem Volke, das dir so oft zugejauchzt hat!“ Kaum hatte der Dämon ausgeredet, so verschwand er mit seinen Genossen, und Jakob blieb allein zurück, Verzweiflung im Herzen. Ach, die Prophezeiung seines Freundes Joseph hatte sich nur zu bald erfüllt. 0, hätte er ihm doch rechtzeitig ein williges Ohr geliehen! — Da lag er im finstern Kerker, die schweren Ketten verzweiflungsvoll schüttelnd, den Ehrgeiz verfluchend, der ihn hierhergebracht, um ihn dem entsetzlichsten Tode entgegenzuführen. Unterdes war es Nacht geworden; selbst das spärliche Licht, welches das hochoben befindliche, mit Eisenstäben vergitterte Fenster bisher eingelassen hatte, verschwand und machte der tiefsten Finsternis Raum. Aber noch finsterer sah es in Jakobs Innern aus — kein Hoffnungsstrahl, kein Hoffnungsschimmer! Verraten und verlassen von denen, für die er bisher alles getan hatte, gab er sich der furchtbarsten Selbstqual hin. „Wahrlich,“ sprach er endlich, „ich habe mein Schicksal verdient. Möge der Tod die Sühne meiner Sünden sein!“ Und siehe, auf einmal war es hell in seinem Innern. Er gedachte seines Vaters im Himmel, er bereute seine Sünden, und erinnerte sich des Wortes der Weisen, dass ein reuevoller Tod alle Verbrechen sühne. Da fühlte er seine Ketten nicht, da bedauerte er seinen Sturz von schwindliger Höhe nicht mehr, er erkannte, dass es so besser war für sein ewiges Heil und dankte seinem Schöpfer für diese Wendung der Dinge, die ihn errettet vom ewigen Verderben.