Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 162)
- Language
- German
- Belongs to
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161 trogen? Doch wem habe ich am meisten dadurch genützt? Hättet Ihr selbst nicht die Hilfe des Juden verschmäht, wäre ich als solcher zu Euch gekommen? Hätten Eure stolzen Vasallen sich unter den Befehl eines Juden gestellt? Wäret Ihr nicht auf dem Punkte unterzugehen, als mein ,schmählicher Betrug4 Euch und die Euren rettete, Euch dem Leben und der Ehre und der vergötterten Macht wiedergab?“ Der Herzog schwieg und der Kaiser erwiderte nichts. „Mein gnädiger Herr und Kaiser“, nahm da der erstere wieder, aber diesmal mit sanftem Schmeicheltone, das Wort. „Was liegt Euch daran, ob ich der Sohn eines fabelhaften Königs oder eines ehrlichen Juden bin? Solange ich mit meiner Macht und meiner Kunst Euch schützend zur Seite stehe, braucht ihr weder den Verrat der Pfaffen noch den der Fürsten zu fürchten. — Kommt, lasst Euch nicht von Vorurteilen beherrschen, die eines so mächtigen Fürsten unwürdig sind!“ — „Aber Ihr seid niemals getauft!“ stiess der Kaiser entsetzt hervor. „Niemals! Allein, dem kann abgeholfen werden. Wer, wie ich, tief eingedrungen ist in die dunklen Tiefen des Wissens, dem kann die Form gleichgiltig sein, in welcher man den Allmächtigen verehrt!“ Als Joseph, der bisher unbeachtet dagestanden, diese lästerlichen Worte aus dem Munde seines ehemaligen Freundes vernahm, seufzte er tief auf. Da trat dieser auf ihn zu und sprach zu ihm: „Joseph, schwöre mit heiligem Schwure, dass du niemandem unser Geheimnis verraten wirst!“ Und Joseph leistete den Schwur. „So, jetzt gehe,“ sagte der Herzog darauf. „Morgen magst du mich in meiner Wohnung aufsuchen und den Preis für dein Schweigen empfangen.“