Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Joseph sah den Kaiser fragend an; dieser winkte mit der Hand und Joseph ging. „Gut,“ sprach der Kaiser dann, „ich nehme Euren Vorschlag an. Morgen in stiller Nacht soll in aller Heimlichkeit die Taufe an Euch vollzogen werden. Seid mir nur fürder ein guter Sohn und Untertan.“ Gemeinsam gingen sie dann in den Gesellschaftssaal, wo ihnen die Kaiserin, die kaiserliche Braut und die versammelten Gäste mit Sehnsucht entgegenharrten. V. Am folgenden Tage ging Jakob unruhig in seinem Gemache auf und ab, seinen ehemaligen Studiengenossen erwartend. Er fürchtete sich davor, denselben wiederzusehen. Endlich erschien Joseph. Als er ins Zimmer getreten war, verschloss Herzog Bilhard die Türe; dann umarmte er den Freund. Dieser aber erhob seine Stimme und weinte. „Warum weinst du mein Bruder?“ fragte ihn Jakob. „Weil du nicht mehr mein Bruder bist!“ antwortete Joseph traurig. „Wie meinst du das?“ „Weil du dich lossagen willst von der Gemeinschaft Israels, von dem Gesetze Gottes; weil du verleugnen willst den Gott unserer Väter und hinabfahren willst in die Gruft des Verderbens.“ „Blöder Tor, du sprichst, wie du es verstehst; du erkennst nicht meine erhabenen, weitgehenden Pläne. Doch, ich will dir die Augen öffnen. Siehe, voriges Jahr litten wir noch mitsammen Hunger und Kummer in Worms. Jetzt bin ich ein gefeierter Held, bin Herzog von Schwaben und werde bald des Kaisers Schwiegersohn und dermaleinst sein Erbe sein. Dann bin ich der mächtigste Herrscher des Weltalls; dann sammle