Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 161)
- Language
- German
- Belongs to
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160 „Meinem Schwiegersöhne, dem Herzoge Bilhard von Schwaben?“ „Ich hörte ihn als solchen vom Volke bezeichnen!“ „Und warum riefst du: Jakob, Jakob!?“ „Weil das sein wahrhafter Name ist!“ „Woher weisst du das?“ „Wir wohnten in einem Zimmer, da wir beide zusammen bei dem gelehrten Rabbi von Worms den Talmud studierten!“ „Wie, Herzog Bilhard ist kein geborener Prinz von Tombutku, soll gar ein Jude sein?“ „So ist es, gnädigster Kaiser; er ist geboren zu Ensisheim am Rhein; sein Vater hiess Seligmann und ist schon seit vielen Jahren tot!“ „Woher hat aber der Unglückselige die grosse Macht? Er ist wohl ein Schwarzkünstler, ein Zauberer und steht gar mit dem Teufel im Bunde?“ „Nein, grossmächtiger Kaiser; er ist kein Zauberer; er hat die Kabbala studiert und durch diese erhabene Wissenschaft die Macht über die Dämonen erlangt!“ Unruhig ging der Kaiser im Zimmer auf und ab; endlich riss er heftig an einer Glockenschnur; ein Diener erschien und erhielt den Auftrag, den Herzog Bilhard herbeizurufen. Als der Herzog kam, deutete der Kaiser auf Joseph und fragte: „Kennt Ihr, Herr Herzog, diesen da?“ Der Herzog erschrak, als er Joseph erblickte; schnell aber fasste er sich und sagte ruhig: „Ich kenne ihn; er heisst Joseph und ist aus Trier; wir studierten mitsammen in Worms!“ „So habt Ihr mich schmählich betrogen!“ fuhr da der Kaiser auf. „Gemach, Herr Kaiser,“ entgegnete der Herzog mit fester Stimme, „Ihr sagt, ich habe Euch schmählich be-