Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 156)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0157-3135879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
155 „Es fehlt uns alles,“ so schloss der Kaiser seine Schilderung, „namentlich fehlt es an Geld, die Söldner zu bezahlen. Meine Gattin und meine treuen Diener verzweifeln schier, und nur der ungebrochene Mut meiner Tochter Berta hält uns noch aufrecht. Ihr seid zu böser Stunde an meinen Hof gekommen, Prinz Bilhard!“ „Vielleicht“, entgegnete der Prinz, „hat mich die Vorsehung gerade zur gelegenen Zeit zu Euch gesandt, auf dass Euch in mir ein Helfer erstehe in den Tagen der Not. Herr, Ihr klagt über Mangel an Geld und besitzt doch unermessliche Schätze!“ ..Ich?“ fragte erstaunt der Kaiser, und alle Anwesenden traten näher an Bilhard heran, die Lösung des Rätselwortes erwartend. Dieser aber ergriff des Kaisers Hand und führte den bedrängten Herrscher an das Fenster! „Gnädiger Herr,“ sprach er dann, „seht Ihr diesen grossen Berg, den Grenzwächter gleichsam des mächtigen Harzgebirges? An seiner Form und an der Bildung seines Gesteines erkennt der Kundige leicht, dass er voll ist edler Silbererze. Noch versteht man es in Deutschland nicht, die edlen Metalle aus dem Schosse der Erde ans Tageslicht zu fördern. Ich aber habe einige geschickte Erdarbeiter in meinem Gefolge. Erlaubt, dass sie mit der Arbeit beginnen, und in kurzer Zeit werdet Ihr des edlen Metalles haben in Hülle und Fülle!“ Gern erteilte der Kaiser die Erlaubnis, und die dem angeblichen Prinzen dienstbaren Dämonen begannen mit rasender Schnelligkeit Schachten anzulegen und Silberadern aufzuspüren. Alles strömte herbei, um den niegesehenen Arbeiten zuzuschauen. Auch der Kaiser war zugegen. Mit Vergnügen blickte er auf die flinken Arbeiter.