Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 152)
- Language
- German
- Belongs to
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151 achten und zu halten, soll mich fortan leiten. Rabbi, ich bitte euch, weiht mich ein in die Kabbala!“ „Jakob, armes Kind, du verlangst deinen Tod. Wer .die Kabbala missbraucht, ist verloren in dieser wie in der künftigen Welt!“ „Rabbi, hört meinen heiligen Schwur; ich schwöre euch, sie niemals zu missbrauchen. 0, erfüllt meine Bitte, Ihr werdet stets einen gehorsamen Schüler in mir finden!“ „Nun wohl,“ sprach da der Rabbi feierlich, indem er sich erhob, „ich werde dich zu den Proben zulassen. Bestehst du diese, so führe ich dich in die geheime Wissenschaft ein!“ Jakobs Auge leuchtete vor Freude; erwartungsvoll sah er den Rabbi an. „Setze dich in meinen Lehnstuhl!“ sprach dieser. „Auf meines Rabbi Platz?“ fragte Jakob erstaunt. „Nimmermehr, Demut ziemt dem Schüler!“ „Törichter Knabe,“ entgegnete der Rabbi, „weisst du nicht, dass Gehorsam die erste Pflicht des Schülers ist?“ Da setzte sich Jakob in den Lehnstuhl des Rabbi. Dieser aber öffnete einen geheimen, in die Wand gemauerten Schrank, nahm allerlei Essenzen und Kräuter heraus, braute einen Trank, und goss ihn in einen grossen Becher, den er Jakob reichte. „Da trinke,“ sprach er dann, „der Trank wird dich stärken, dass du die Proben bestehest!“ Und Jakob trank. Plötzlich fühlte er sich wie neubelebt. Niegeahnte Kraft durchströmte sein Inneres, er fühlte es wie Feuer in seinen Adern fliessen. Er glaubte der Erde entrückt zu sein und befähigt, den Himmel zu ersteigen. Lächelnd sah in der Rabbi an. „Deine Probezeit beginnt sofort. Du darfst mein Haus nicht verlassen, bis sie vorüber ist!“