Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 142 (sequence 143)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3135693-3135694--0144-3135866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 Menschen lässt man frei dahinrasen! Doch, fort mit dem Kriegsdämon! Schon winkt das Ziel unserer Wanderung. In hellem, weissem Gewände, wie immer, grüsst es uns entgegen von einsamer Höhe und bescheiden verbergend, dass dort eine Quelle des Wohltuns entspringt. Altersasyl! O, es ist mehr, es ist ein Heim lieblicher Zufriedenheit für den, der sie sucht. Die Jugend liebt die Menschen, das Alter die Natur, vielleicht weil der Greis, wenn das Stündlein schlägt, sich immer mit Mutter Natur vermählt? Dieser Liebe zur Natur hat der Gärtner des Asyls volle Rechnung getragen: ln allen Farben blühen die Astern und selbst der Rosenstock spendet trotz vorgerückter Jahreszeit noch manchen duftenden Gruss. Und nun treten wir ein. Wie sauber und blank die Räume, wie kräftig die Luft, die aus den geöffneten Fenstern ins Zimmer strömt! Vergnügt bewillkommnen uns die Weiblein mit warmem Händedruck. Nicht alle haben übrige Zeit, eines ist in die Zeitung vertieft, vermutlich liest sie die Kriegslage von Stegemann. Der männliche Teil der Insassen scheint einen Sauserbummel gemacht zu haben, wenigstens konnten wir seiner nirgends gewahr werden. Vielleicht gibt es einen Jass bei Langsam, wo es sich so gemütlich sitzt. Die fürsorgliche Verwaltung hat alles getan, was das Wohl der Schutzbefohlenen zu fördern geeignet ist. Und wer wollte leugnen, dass die Ausübung ihres Berufes zuweilen eine schwierige Kunst bedeutet, hat doch der junge Sterbliche seine Launen, erst ein graubemoostes Haupt! Ich glaube, von einem Mitglied des Kuratoriums rührt die Aeusserung her: Lieber möchte er Insasse, als Verwalter sein. Der schönste Raum des Asyls ist der Speisesaal. Augustin Keller, der aargauische Staatsmann, und Theodor Herzl, der jüdische Staatsmann und Zionistenführer,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.