Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
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129 Sachen abzulenken, und durch die Meldung, der Judenrayon sei aufgehoben worden, den Anschein zu erwecken, als ob die Lage der Juden sich günstiger gestalte. Mit der Herausgabe des in Lausanne erscheinenden „Bulletin juif‘ sollte die Oeffentlichkeit über die tatsächlich bestehenden Verhältnisse unterrichtet werden. Nur einwandfreie, offizielle Dokumente oder gewissenhaft kontrollierte Tatsachen fanden in diesem Blatte Aufnahme. Die Nachrichten, die die Juden in Russland betreffen, stammen lediglich aus russischer Quelle. Diesem Blatt konnte so niemand entgegenhalten, es sei einseitig gefärbt oder parteiisch. Bei allen Kreisen, in die es drang, musste es daher tiefen Eindruck machen. Erfreulich ist insbesondere, dass es in Frankreich starke Verbreitung und wohlwollende Aufnahme gefunden hat. So wurde erheblich zur Verbreitung der Wahrheit beigetragen. Doch auch vom Rechte der Juden verlautete in Lausanne zur rechten Zeit und am rechten Ort ein kräftiges Wort. Bei der dort im Frühjahr 1916 abgehaltenen Nationalitäten-Konferenz war auch die jüdische Nation durch eine Delegation, bestehend aus einigen in unserm Lande weilenden jüdischen Persönlichkeiten vertreten. Der Sprecher der jüdischen Delegation wusste wirksam den Vertretern der kleinen Nationen das Recht der ältesten und schwächsten aller Nationen auseinander zusetzen, ihr Recht atif Existenz, auf Berücksichtigung ihrer nationalen und kulturellen Wünsche bei der Neuordnung der Verhältnisse am Ende des Weltkrieges. Eine von uns selbst und allen Judenfreunden so aufrichtig gewünschte günstige Lösung der Judenfrage kann jedoch nur dann herbeigeführt werden, wenn schon jetzt begonnen wird, durch unablässige Erörterung in der Oeffentlichkeit das Verständnis zu wecken