Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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123 heit Stimmen drangen zu uns aus dem fernen Schlachtenlärm. Es waren Töne darunter, die nicht nur unser menschlich Herz erregten, Mitleid und Erbarmen erweckend, sondern unser Blut in Wallung brachten: der Judenheit Hilferuf traf unser Ohr. Zwar wollte es anfänglich scheinen, als fände dieser eine geteilte Aufnahme bei den Juden der Schweiz, weil stets zuerst untersucht wurde, woher er komme: ob von „Freund“ oder „Feind“. Doch, als dann alle jüdischen Wehrufe ihre Ursprungszeugnisse beigebracht hatten, da ergab sich, dass sie alle einer Quelle entsprangen. Der Juden Not, der Juden Leid kündete uns tausendfaches Flehen. Dem Hilferuf der Brüder durften wir uns nicht verschliessen, mussten uns durch ihn zusammenfinden: als Juden. Gleich jenem Prophetenwort erging an uns die drohende Mahnung: Haltet Ihr es jetzt an der Zeit, wohnlich in den Palästen zu sitzen, da der Brüder Haus in Trümmern liegt? So haben denn auch die Juden der Schweiz, zwar spärlich an Zahl und schwach an Kraft, doch entschlossen zur Tat, zur Linderung des durch den Krieg hervorgerufenen Elends beigetragen, was in ihrer Macht stand. In erster Linie waren es die Bedürftigen in unserer Mitte, die einer gesteigerten Fürsorge benötigten. Zahlreiche Personen waren durch den Krieg ihres Erwerbes ganz oder teilweise beraubt worden. Hiezu kam noch die bald einsetzende Lebensmittelteuerung. Um diesen erhöhten Anforderungen gerecht werden zu können, vereinigten sich in fast allen grösseren jüdischen Gemeinden der Schweiz die bestehenden Wohltätigkeitsvereinigungen zu Notstandskassen und Hilfskommissionen, um gemeinsam den Bedürftigen die notwendige Hilfe in geeigneter Weise angedeihen zu lassen. Da und dort wurden Lebensmittelverteilungen eingerichtet. Besondere Erwähnung verdient ferner die vom jüdischen