Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Menschheit, deren Echo bis zu ihm drang, nicht verschliessen. Soweit es in seiner Macht stand, war es bemüht, dem Unheil Einhalt zu gebieten. Durch ihre Lage war die Schweiz auch wie kein anderes der neutralen Länder dazu prädestiniert, einen hervorragenden Anteil zu nehmen an allen edlen Bestrebungen, welche den Lärm der Geschosse und das Donnern der Kanonen übertönen wollen durch die hellen, lauten Stimmen der reinen Menschenliebe. Wir alle sind jeden Tag aufs neue Zeugen jener herrlichen Taten, durch welche die eidgenössische Behörde und durch sie und mit ihr das ganze Schweizer Volk beweisen, dass sie sich der hohen Aufgabe bewusst sind, die ihnen das Glück des Friedens auferlegt. Die körperlichen Wunden heilen und die seelischen Schmerzen lindern; den Heimatlosen ein Obdach gewähren und den Versprengten einen mühelosen Durchzug, Stunden der Ruhe und Erfrischung; die zerrissenen Fäden des menschlichen Verkehrs wieder aufnehmen und Angst und Sorge von Unzähligen bannen; den Gatten der Gattin zuführen und den kriegsuntauglichen Wehrmann seiner heimatlichen Scholle und nützlichem Tun; den Kranken unsere Alpenluft und die heilenden Wasser unserer Quellen gewähren und die warmen Strahlen unserer friedlichen Sonne: ein Dokument edler Menschlichkeit fügt sich zum andern, wird zu einem gewaltigen Bau der Humanität und Liebe, wird zu einem ewigen Denkmal für die Schweiz, das kommenden Zeiten künden wird, wie sie sich, stolz und gross, zur „aktiven Neutralität“ bekannte, als sie, einem Eilatid inmitten eines wogenden Meeres gleich, von kriegführenden Staaten umbraust ward. Wir Juden in der Schweiz haben auch regen Anteil genommen an dieser Liebestätigkeit, welche die einzige versöhnende Begleiterscheinung des gewaltigen Völkerringens unserer Tage ist. Doch nicht nur der Mensch-