Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0123-3135845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
121 Einer sozialen Tagesströmung mag hier noch Erwähnung geschehen. Bevor der Krieg über den Erdball raste, sprachen täglich Petenten bei den Schweiz, jüd. Armenkassen vor. Es ist das wandernde Elend, das nach dem Krieg voraussichtlich noch stärker überfluten wird. Der Typ der Schnorrer ist oft stark vertreten, aber es fehlen auch solche nicht, die den Segen der Arbeit kennen und seiner teilhaftig werden möchten; die Heiligkeit des Schabbos aber würden sie unter keinen Umständen opfern. Die Gewissensnot ist eine Qual, die der religiös Gleichgültige nicht in ihrer Tiefe zu ermessen vermag. Noch findet sich unter den sogenannten Schnorrern mancher Arbeitswillige, dem alles Suchen nach Brot nicht den Sabbat zu rauben vermöchte. Hier bietet sich der Schomre-Schabbos-Kommission ein Stück sozialer Betätigung, das reiche Ausbeute liefern wird, mit andern Worten: Es wird zu den Aufgaben der Kommission gehören, arbeitsuchenden jüdischen Passanten eine Gelegenheit zu verschaffen, die Gewissenskollision ausschliesst. So zeichnen wir auf unsere Fahne zwei goldene Sterne: Sie heissen: „Arbeit und Schabbos“. Luzern Louis Braun. Die Juden der Schweiz zur Zeit des Weltkrieges. Während die modernen Kulturstaaten sich zerfleischen, ruht der Menschheit Würde verantwortungsvoll auf den Schultern der neutralen Staaten. Die Schweiz wusste sie zu wahren. Das Land, dem die Welt die Begründung und Erhaltung des internationalen Roten Kreuzes verdankt, konnte sein Ohr den Leiden der