Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Nun aber bebt und wankt der Erdball, Furcht und Schrecken beklemmen jedes Menschenherz. Ach, Herr der Heerschaaren, der allein Grosses und Wunderbares zu schaffen vermag, Deinem Blick sind alle menschlichen Wege offenbar, alle Herzen und tiefen Gedanken erforschest Du; lass es nun Dein Wille sein, dass die Lenker aller Staaten und Völker die Einsicht gewinnen, das blutige Schwert zu begraben und Krieg und Streit ein Ende nehmen. Wie bluten die Länder! Verwüstet liegen die Städte da, ihre Bewohner, schwache Frauen und zarte Kinder in befestigten und offenen Städten zittern für ihr Leben! So gib doch der Erde den ersehnten Frieden wieder. Lass Heimatlose zum friedlichen Herd zurückkehren, Völkerneid und -Hass schwinden! Ach, Herr, möge mein Gebet vor Deinen himmlischen Vaterthron dringen und der trüben Weltkatastrophe ein baldiges Ende bereitet werden. Wir danken Dir für die vielen Wohltaten, die Du bisher uns erwiesen — hast Du uns doch bis anhin gnädig vom Kriegsschwerte bewahrt! — und beten auch für eine ungetrübte Zukunft. Lass das Friedensbanner bald auf den Bergen wehen! Beglücke mit Deinem Schutz, Deiner Gnade und Güte die Schweiz, ihre Staatsmänner und das gesamte Volk, und erhalte ihnen den Frieden. Möge auch ein Sonnenstrahl der Gnade auf Israel fallen, dass die Völker und Staatenlenker ihm ihre Gunst zuwenden, jetzt und immerdar. Amen. * Glaubt man nicht, das Gebet sei heute glutvoller, friedendürstender Seele entstiegen? Wiederum bewährt sich in ihm das Wort der Weisen: „Die Frommen werden auch im Tode noch Lebende genannt.“