Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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101 Zu einer Reihe von Funktionen ist er nicht tauglich; so zu der Tätigkeit im Sanhedrin, selbst wenn er nur auf einem Auge blind ist; im Richterkollegium von Dreien, wenn er vollständig des Augenlichtes beraubt ist. Denn alle Werte sind in ihm umgewertet und er ist nicht mehr geeignet, der Richter zu sein, den das jüdische Recht verlangt. Und darum ist es uns ganz selbstverständlich, dass die Sprache der Heiligen Bücher, deren Grundzug höchste Aesthetik ist, es meidet, die Blindheit bei ihrem wahren Namen zu nennen. Moaur einajim (augenerleuchtet), Sagi nohaur (viel Licht) werden sie genannt, jene Unglücklichen, denen die Kraft des Sehens geschwunden. Diese euphemistischen Wendungen zeugen von unendlichem Zartgefühl für den armen Blinden, den man nicht an sein Leiden erinnern möchte, und für seine Umgebung, der man den Schmerz über das Unglück lindern möchte. So muss es wohl begründet erscheinen, dass man den Versuch unternimmt, weitere Volkskreise vertraut zu machen mit denjenigen Veränderungen am Auge, deren Auftreten unverzügliches fachmännisches Eingreifen erfordert; ferner einige Regeln allgemeiner Natur dem Laien an die Hand zu geben, damit Unglück verhindert oder wenigstens gelindert werde. Beginnen wir mit dem Allgemeinen; Bleiwasser (Goulardsches Wasser) soll am Auge nie verwendet werden; denn finden sich auch nur geringste Verletzungen an der Hornhaut, so bilden sich an dieser Stelle unlösliche Bleisalze; günstigen Falles ist die Folge allerdings nur eine Entstellung durch einen kleinen weissen Fleck, liegt dieser Fleck jedoch im Gebiete der Pupille, so treten je nach dem Umfange kleinere oder grössere Sehstörungen auf. Man benütze Borwasser. Verbände werden am Auge allzu häufig gemacht, 8