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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 100 (sequence 101)
Language
German
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100 Aber alles, was Menschengeist denkt und Menschenhand übt, das vollzieht sich ja doch wieder nach den ehernen, ewigen Gesetzen, die die Vorsehung der Menschheit geschenkt hat. Nur ein Werkzeug der Vorsehung ist der Mensch. Nicht an ihm liegt es, ob seinem Tun Sieg beschieden ist oder Niederlage; darüber entscheidet nur der, dessen Willen wir vollführen.1) Dieses Bewusstsein gibt dem Menschen zugleich Grösse und Bescheidenheit; Grösse, weil er sich als Vollstrecker des göttlichen Willens betrachten darf, Bescheidenheit, weil er erkennen muss, dass er gar nicht auf Grund seines Denkens, auf Grund seines Wollens handle. Und so ist die Stellung des wahrhaft jüdischen Arztes eine ganz besondere: er ist ein Bote des grossen רוג־א חולים, des grossen Heilers aller Kranken, und seine Heiltätigkeit ist einer der vielen Wege, auf denen die. Gottheit sich in Beziehung setzt zur Menschheit. Von solchem Denken erfüllt, kann und darf der Arzt sich heranwagen an alle Gebrechen, die die Menschheit quälen; denn dann glaubt er nicht in Ueberhebung in die Weltordnung einzugreifen, sondern er fühlt sich als einen Teil dieser Weltordnung. * * * Einen breiten Raum in der talmudischen Medizin nimmt die Augenheilkunde ein.2) Die Ursache dafür iiegt sehr nahe. Das Auge galt für das wichtigste Sinnesorgan, auf dessen Pflege unendlich grosser Wert gelegt wurde und dessen Verlust unendlich schwer wog. Zu den vier Kategorien von Menschen, deren Leben dem Tode gleich ist, gehört der Blinde (נדרים סד'. ב׳). ') Vergl. Sirach 38, 1 ff.: ״Von Gott hat der Arzt seine Weisheit, weil auch der Arzt zu Gott betet, dass er ihm die Diagnose und die Behandlung gelingen lasse.“ 2) Siehe Preuss, Medizin in Bibel und Talmud.

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