Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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99 Wie schwer aber mag es erst sein, wenn Störungen der Körperharmonie ohn’ Unterlass uns in die Tiefe ziehen, wie schwer dann, sich hinaufzuschwingen in himmlischem Fluge, dass sie, von der Höhe geschaut, immer kleiner werden, immer winziger, und endlich ganz entschwinden! Drum sei es uns nicht nur Pflicht, wenn das Gut der Gesundheit uns verringert, zu streben, dass es wieder ganz werde, sondern noch grössere Pflicht, zu sinnen und zu trachten, dass wir fern halten von uns all das, was das uns anvertraute Kleinod mindern könnte in seinem Werte. Aber, heisst es eigentlich nicht in die göttliche Weltordnung eingreifen, wenn wir die Schickungen des Himmels, die sich in der Form von Krankheit äussern, durch Menschengeist und Menschenkunst zu mildern suchen? Wohl finden wir diese Anschauung da, wo der Fatalismus herrscht, aber jüdisch ist sie ganz und gar nicht, ln drastischer Form weist Maimonides פירוש המשניות פסחים;"ד diese Auffassung zurück; er nennt sie eine ״Verrücktheit“ und meint, die schwerste Krankheit sei der Hunger, und wem würde es, wenn er von dieser Krankheit geplagt wird, einfallen zu sagen, dass er sie nicht heilen dürfe? Vielmehr greife jeder nach dem Brote in der Hoffnung, dass diese Medizin ihn von seinem Leiden kurieren werde. Und so wie das Brot uns wächst als Gabe des Schöpfers, so lässt er uns ein ganzes Heer von Kräutern und Pflanzen spriessen, dass wir ihren Wert und ihre Kraft prüfen und erkennen; so lässt er uns Quellen und Brunnen strömen, dass wir ihre Wirkung erforschen und erproben. Und wenn der Menschengeist geprüft hat und erkannt, erforscht und erprobt, dann sucht er weiter einzudringen in die Tiefe, und er bestimmt Ort und Zeit, da diese Pflanze, jene Quelle berufen ist, auf den Menschenkörper zu wirken.