Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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97 Gottes durchdrungen sein wird; wenn die Erkenntnis von dem Einigeinzigen, die Hingebung an seinen Willen die Quelle sein wird, aus der die Menschenverbrüderung'sich ergiesst. Das ist das Gottesreich, welches alle frommen Menschenkinder herbeisehnen und dessen Kommen wir in zwei besonders heiligen Gebeten, im alltäglichen Schlussgebet עלינו לשבח und in der Teffila (ש״ע) der hohen Feiertage ר״ה und יו״ב erflehen. Im עלינו sprechen wir die Hoffnung und Bitte aus, baldigst ״die Verherrlichung der Allmacht Gottes zu schauen“,.. . ״dass die Welt durch Seine Alleinherr־ schaft vervollkommnet werde, dass alle Seinem Namen Ehre geben und das Joch seiner Herrschaft auf sich nehmen!“ Und: ״Gott wird König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird Gott regieren in alle Ewigkeit“, und ferner: Gott wird König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird Gott einzig und sein Name einzig sein!“ — Und im andern Gebet ist diese Herrlichkeit mit all ihrem Glanze und all ihrem Glück in so wunderschönen Farben gemalt. Und wenn wir unser Fest des Jahresbeginnes mit diesem charakterischen Gebete (ובמ תן פחדד) einleiten, so zeigt uns das, wie stark die Sehnsucht nach Erreichung dieses die ganze Menschheit beglückenden Friedensideals im Herzen des jüdischen Volkes herrscht. Mögen die in diesem Gebete enthaltenen Wünsche: ״dass alle Geschöpfe Gottes Allmacht anerkennen, sich vor Ihm niederwerfen, sich zu einem ,einzigen Bunde4 (אגודה אחת) vereinigen zur Vollbringung seines Willens; dass dann alle Willkür und alle Gewaltherrschaft verschwinden und Recht und Gerechtigkeit triumphieren,“ bald in Erfüllung gehen. Vielleicht wird gerade dieser schrecklichste aller bisherigen Kriege dazu beitragen, dass wir dem hohen Ziele um ein Bedeutendes näher rücken. Möge sich diese Hoffnung durch den Beistand Gottes erfüllen! Winterthur A. Müller.