Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Die dritte und höchste Stufe der Friedensliebe bildet den herrlichsten Abschluss des jüdischen Friedensideals, das erreicht werden wird, wenn die echte, reinste Harmonie unter den Rassen und Klassen der Menschen herrschen wird. Wenn alle Menschen von der Idee der Einheit des Menschengeschlechtes durchdrungen sein werden* * * * 5) und Neid, Hass, Unduldsamkeit und nationale Ueberhebung verschwunden sein werden aus den Völkern. Die echte, keine Grenzen und keine Ausnahme kennende Menschenliebe, wie sie das Gottesgesetz schon vor dreitausend Jahren in der Thora vorgeschrieben, wird die Herzen aller Völker erfüllen. Ausgeschlossen ist dann jeder Krieg; denn er ist ja doch nur die Folge der wirtschaftlichen Konkurrenz und des niedrigsten Egoismus und der unersättlichen Genusssucht. Man wird sich dann gegenseitig nicht nur den Platz an der Sonne gönnen, sondern ein jeder wird einem jedem nach Kräften zur Seite stehen, damit das Glück, der Wohlstand und das Heil aller durch alle erreicht werde. Aber dieses herrlichste, vollkommenste FViedensideal wird erst dann über die Menscheit ausgegossen und seine ganze Segensfülle von ewiger Dauer sein, wenn die Menschheit von der Idee der Einheit bezeichnen, wenn sie deren Liebe empfehlen und vor Gehässigkeit gegen sie warnen. בדיות nennen sie dieselben Gottesgeschöpfe, und umfassen mit diesem Ausdruck ausnahmslos alle Menschen, indem damit zugleich das Motiv hervorgehoben ist, aus welchem die Forderung allgemeiner Menschenliebe fliesst. Wir haben in jedem, wer er auch sei und wie er auch sei, das Geschöpf Gottes zu achten und um unseres gemeinsehaftlichenSchöpfers willen keinem unsere Liebe zu versagen!“ 5) Dieser Begriff von der Einheit aller Menschen wird von R. Me'fr in einer feindurchdachten Allegorie zur Darstellung gebracht. Er sagte: Der Staub, aus welchem der erste Mensch gebildet wurde, war aus der ganzen Welt zusammengescharrt; denn es heisst (Ps. 139, 16): ״Meinen Urstoff sahen deine Augen“, und in Secharja 4, 10 heisst es: ״Die Augen des Ewigen schweifen über die ganze Welt hin!“ (Talm. Sanh. 38.)